Amberger Zeitung – Wolfgang Houschka
Das musikalische Feuerwerk begann fünf Stunden vor Mitternacht: Das Amberger Sinfonieorchester sorgte beim Silvesterkonzert im ausverkauften Stadttheater für viele Höhepunkte.

Es waren zwei Stunden, die beschwingt hineinführten in das Jahr 2026. Ausverkauftes Haus, erwartungsvolle Stimmung und zum Schluss beste Laune bei denen, die sich brillant unterhalten fühlten. Die Musikerinnen und Musiker des Amberger Sinfonieorchesters, die von Dirigent Thomas Appel vom Pult aus grandios geführt wurden, überzeugten beim Silvesterkonzert im Stadttheater auf voller Linie. Etwas irritierend war da nur ein vor diesem Kapellmeisterpult hoch in den oberen Bühnenbereich aufragendes Metallgestell. Doch das schien wohl der Technik geschuldet.
Das Programm nahm sich erlesen aus. Zum Auftakt die Ouvertüre aus der komischen Oper „Das Bronzepferd“ von Daniel Auber. Ein selten gespieltes Werk, das beschwingt über die Rampe kam und Appetit machte auf einen Silvesterhappen der ganz besonderen Art. Der österreichische Komponist Franz Krommer hatte ihn einst auf Notenblättern entstehen lassen und sein Augenmerk auf das Zusammenspiel von Orchester und einer Klarinette gelegt. Die nüchternen Daten dazu: Allegro, Adagio, Rondo, drei Sätze also mit der Gesamtlänge von nahezu einer halben Stunde. Diese 30 Minuten wurden zum eindrucksvollen Erlebnis. Dank eines Mannes, der Stefan Neger heißt, dem Orchester als Erster Klarinettist angehört und diesmal als Solist an die Rampe trat. Stefan Negers Darbietung war vom Feinsten: Virtuos, den großen Klangkörper fordernd, im Einklang vom ersten bis zum letzten Ton. Ein Meister seines Faches, dem man gebannt lauschte. Als der lange Applaus geendet hatte, startete Neger mit einer Zugabe. Fünf Minuten ohne Orchester, eine weitere Bereicherung des Abends und letztlich mit Blumen belohnt.
Musikalisches Feuerwerk
Draußen vor dem Stadttheater am Schrannenplatz fielen Schneeflocken, drinnen im Gebäude wurde ein Faktum deutlich, das den Amberger stolz macht. Nämlich: Die Stadt hat nicht nur mit diesem Theater ein Juwel, sie darf sich auch über das glänzend dazu passende Sinfonieorchester freuen. Dessen Qualität wurde nach der Pause fast schon mit Wucht weiter unter Beweis gestellt. Denn es explodierte, passend zum Silvesterabend, ein musikalisches Feuerwerk, das man noch lange vor Augen und vor allem in den Ohren haben wird.
Es gibt, man möge den Ausdruck verzeihen, Ton-Kracher, die schlichtweg immer dann erklingen, wenn die Jahreszahl wechselt. Thomas Appel und seine Kapelle starteten mit dem „Pomp & Circumstance March Nr. 5“ von Edward Elgar und gingen danach über – man wartete förmlich darauf – zu Stücken aus der Feder zweier Herren namens Strauß. Wer das tut, hat als Kapellmeister die Trumpfkarte gezogen. Allerdings muss ein solches Unterfangen auch orchestral klappen. Diese Anforderung erfüllte der Dirigent mit seinen Leuten in fast schon unglaublich professioneller Manier.
Zunächst die Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß junior. Ein vor Lebensfreude strotzendes Stück, das die Spannung dieses vormitternächtlichen Auftritts mit Blick auf das Restprogramm erhöhte. „An der schönen blauen Donau“ durfte da nicht fehlen. Ein, wenn man so will, ewig funkelnder Edelstein, zu dem sich Alan Silvestris „Back To The Future“ gesellte. Die Bläser glänzten dabei.
Zugaben gefordert
Zugaben waren erwünscht, ja lautstark vom Publikum gefordert: zwei Kabinettstücke, die nicht auf dem Programmzettel standen. Zuerst die „Feuerfestpolka“ von Josef Strauß – eine Arbeit, die der Komponist im Auftrag einer Tresorfirma in Wien erledigt hatte. Sie brachte Effekte mit sich und rückte einen jungen Schlagwerker in den Mittelpunkt, der mit zwei auf Metall treffenden Hämmern die musikalische Marschrichtung vorgab. Kaum war die Melodie verklungen, wurde zur Schlussrunde eingeläutet. Dazu brauchte es keine genaue Ansage mehr, denn das konnte nur der „Radetzky Marsch“ sein. Rhythmisches Klatschen, stehender Beifall, Jubel: So stellt man sich einen Silvesterabend vor.

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